Die geologischen Gegebenheiten Erfurts sind tückischer, als viele Bauherren annehmen. Unter der Stadt liegt kein homogener Baugrund, sondern ein Wechselspiel aus verwittertem Keuper, Lösslehmauflagen und vor allem tiefreichenden Auslaugungszonen im Gipskeuper, die lokal zu Subrosionssenken und unvorhersehbaren Hohlräumen führen. Eine Baugrubenbemessung nach Standardtabellen greift hier zu kurz. Was am Gera-Ufer oberflächlich als tragfähiger Ton erscheint, kann in sechs Metern Tiefe plötzlich in stark geklüfteten, ausgelaugten Fels übergehen. Genau deshalb setzen wir in der Planungsphase auf ein detailliertes Baugrundmodell, das die Ergebnisse aus Korngrößenanalysen mit den Scherparametern aus dem Triaxialversuch kombiniert, bevor überhaupt der erste Verbau dimensioniert wird.
In Erfurt bemisst man eine Baugrube nicht gegen den Boden, sondern mit dem Boden – die Subrosionsgeschichte des Keupers diktiert hier jeden Berechnungsansatz.
Angewandte Methodik in Erfurt

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Lokale geotechnische Bedingungen in Erfurt
Erfurt hat eine lange Bergbau- und Subrosionstradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht – die Gera war einst Lebensader, aber auch Ursache für tiefe Erosionsrinnen. Was wir heute im Baugrund sehen, sind Altarme, verfüllte Keller und nicht dokumentierte Luftschutzstollen. Die größte Gefahr bei der Bemessung tiefer Baugruben ist nicht der Erddruck auf den Verbau, sondern das plötzliche Antreffen einer Subrosionssenke während des Aushubs. In diesen Zonen ist die Konsistenz des Bodens breiig, die Kohäsion sinkt auf Null und der Verbau verliert schlagartig seine seitliche Bettung. Wir begegnen diesem Risiko mit einem konservativen Ansatz für den passiven Erddruck und planen grundsätzlich ein Monitoringprogramm mit Inklinometern und geodätischen Messpunkten ein, das bereits ab dem ersten Baggerstich aktiv ist. Ein weiteres Problem sind die Erschütterungen beim Einbringen von Spunddielen oder Bohrpfählen – in der dicht bebauten Innenstadt arbeiten wir daher oft mit vorbohrten oder eingespülten Profilen, um Setzungen an angrenzenden Fachwerkhäusern zu vermeiden.
Unsere Leistungen
Jede tiefe Baugrube in Erfurt verlangt eine andere Kombination aus numerischer Berechnung und Laborversuchen. Unser Ansatz deckt den kompletten Workflow ab – von der ersten Sondierung bis zur Freigabe des Aushubs.
Standsicherheits- und Verformungsberechnung
Wir liefern die vollständige statische Berechnung für Trägerbohlwände, Bohrpfahlwände und Mixed-in-Place-Verfahren, inklusive aller Nachweise gegen Materialversagen der Stahlträger, Abtrag der Ankerkräfte und Einhaltung der Grenzverformungen an Nachbargebäuden. Die Berechnung wird auf Basis eines von uns erstellten Baugrundgutachtens durchgeführt und ist prüffähig nach Thüringer Bauordnung.
Baugrubenmonitoring und Beweissicherung
Begleitend zur Bemessung bieten wir ein an die spezifischen Erfurter Untergrundverhältnisse angepasstes Messprogramm. Dazu gehören die Überwachung des Porenwasserdrucks im auslaugungsgefährdeten Keuper, die Kontrolle der Ankerkräfte über elektronische Kraftmessdosen und eine turnusmäßige geodätische Setzungsmessung an umliegenden Bauwerken, deren Ergebnisse direkt in ein Sicherheitsmanagementsystem einfließen.
Häufige Fragen
Warum reicht ein Standard-Baugrundgutachten für eine tiefe Baugrube in der Erfurter Altstadt nicht aus?
Weil die Altstadt auf dem geologisch komplexen Untergrund des ausgelaugten Gipskeupers steht. Ein Standardgutachten liefert meist nur Schichtenverzeichnisse und einfache Bodenkennwerte. Für eine tiefe Baugrube brauchen wir jedoch steifeabhängige Scherparameter, die mit Triaxialversuchen bestimmt werden, und ein zutreffendes Stoffmodell für das entfestigte Gebirge. Nur so lassen sich die Subrosionssenken und die oft unerwartet niedrige Bettungssteifigkeit wirklichkeitsnah abbilden. Ohne diese Tiefe besteht die Gefahr, dass der Verbau in einer Schwächezone versagt.
Wie wird die Gefahr von Auslaugungshohlräumen im Gipskeuper bei der Bemessung berücksichtigt?
Wir setzen einen geologischen Vorerkundungsplan ein, der auf Archivdaten des Thüringer Landesamts für Umwelt, Bergbau und Naturschutz basiert. Die Bohrtiefe wird so gewählt, dass sie den potenziellen Subrosionshorizont durchstößt. In der statischen Berechnung arbeiten wir dann mit abgeminderten Steifemoduln und einem erhöhten Erddruckansatz für die betroffenen Horizonte. Zusätzlich wird der Aushub geotechnisch begleitet, um beim Antreffen von Hohlräumen sofort eine Umplanung der Ankerlagen oder eine Verfüllung mit Dämmer einleiten zu können.
Welchen Einfluss hat die nahe Gera auf die Baugrubenbemessung?
Einen erheblichen. Die quartären Talfüllungen der Gera sind sehr heterogen und oft wassergesättigt. Bei Baugruben in Flussnähe muss der Nachweis gegen hydraulischen Grundbruch geführt werden, und das Wasserhaltungskonzept wird Teil der statischen Berechnung. Eine reine Absenkung ist wegen der Feinsandschichten oft nicht ausreichend; es kann eine Vakuumfilteranlage oder eine Grundwasserabsenkung mit tiefreichenden Brunnen erforderlich sein, deren Auswirkungen auf die Nachbarbebauung wir im Vorfeld simulieren.
Mit welchen Kosten muss man für die geotechnische Bemessung einer tiefen Baugrube in Erfurt rechnen?
Die Honorare für eine vollständige geotechnische Bemessung nach EC7 liegen in Erfurt je nach Projektgröße und Schwierigkeitsgrad zwischen €1.840 und €7.770. Eine einfachere Berechnung für eine kleine, unkritische Baugrube liegt dabei am unteren Ende, während eine komplexe, FE-gestützte Verformungsanalyse mit Ankeroptimierung für eine innerstädtische Tiefgarage im Bereich des oberen Endes angesiedelt ist. Entscheidend ist der erforderliche Erkundungs- und Berechnungsaufwand.