Die wechselhafte Geologie des Thüringer Beckens, in das Erfurt mit seinen rund 214.000 Einwohnern eingebettet ist, stellt besondere Anforderungen an die Bemessung von Verankerungssystemen. Während der südliche Stadtrand bereits in die Ausläufer des Steigerwalds mit seinen Muschelkalkformationen übergeht, dominieren im Norden mächtige Löss- und Auelehmdecken das Baugrundprofil. Diese Heterogenität erfordert eine differenzierte Herangehensweise bei der Festlegung von aktiven und passiven Ankerkräften, denn ein in den Kalkbänken brauchbarer Bemessungsansatz kann in den bindigen Böden der Gera-Aue schnell an seine Grenzen stoßen. Unser Labor führt die notwendigen Scherversuche und Ausziehprüfungen durch, um die charakteristischen Widerstände abzuleiten, die später in die Böschungsstabilität oder die Sicherung tiefer Baugruben einfließen, wo temporäre oder dauerhafte Anker zum Einsatz kommen.
Die Tragfähigkeit eines Ankers steht und fällt mit der korrekten Einschätzung der Mantelreibung im lokalen Baugrund – ein Wert, der in Erfurt zwischen den Lössdecken und dem Muschelkalk um den Faktor 5 variieren kann.
Angewandte Methodik in Erfurt

Lokale geotechnische Bedingungen in Erfurt
Ein häufig unterschätztes Risiko in Erfurt zeigt sich beim Vergleich der Baugrundverhältnisse zwischen dem dicht bebauten Andreasviertel im Zentrum und den Neubaugebieten am Roten Berg im Norden. Während im historischen Kern oft mit anthropogenen Auffüllungen und alten Fundamentresten zu rechnen ist, die den planmäßigen Verpressvorgang stören und Injektionsgutverluste verursachen, herrschen am Roten Berg relativ homogene Lössdecken vor, die jedoch bei Wasserzutritt zur inneren Erosion neigen und die Mantelreibung schlagartig reduzieren können. Ein weiteres Problem sind die Karststrukturen im südlichen Stadtgebiet, wo Verpressgut unkontrolliert in Hohlräume abfließen kann, sodass die erforderliche Verpresskörpergeometrie nicht erreicht wird. Wir begegnen diesen Risiken durch Vorerkundungen mittels Kernbohrungen und geophysikalischer Profile, die die Lage von Karsthohlräumen und Auffüllungsbereichen vor der Ankerausführung identifizieren.
Unsere Leistungen
Unser Leistungsspektrum zur Ankerbemessung umfasst den vollständigen Prozess von der Parameterermittlung im Labor über die numerische Bemessung bis hin zur Feldprüfung:
Bemessung aktiver Litzen- und Stabanker
Wir dimensionieren vorgespannte Verankerungen für rückverankerte Baugrubenwände, Stützkonstruktionen und Auftriebssicherungen. Die Bemessung umfasst den Nachweis der inneren Tragfähigkeit des Stahlzugglieds, den Nachweis der Verpresskörpergeometrie im Baugrund und den Standsicherheitsnachweis des Gesamtsystems nach GEO-3. Jeder Ankertyp wird durch Eignungsprüfungen vor Ort kalibriert.
Bemessung passiver Anker und Bodennägel
Passive Bewehrungselemente werden für die flächige Sicherung von Hängen und Böschungen ausgelegt. Wir berechnen die erforderliche Nagellänge, den Rasterabstand und den Verbundquerschnitt auf Basis der ermittelten Bodenkennwerte und der geforderten Sicherheitsfaktoren. Die Bemessung erfolgt iterativ über Grenzgleichgewichtsberechnungen und FEM-Analysen zur Erfassung der Verbundwirkung.
Ankerprüfungen und Monitoring
Wir führen Eignungs-, Abnahme- und Kontrollprüfungen an Verpressankern gemäß DIN EN ISO 22477-5 durch. Die Prüfprotokolle werden mit kalibrierten hydraulischen Pressen und elektronischen Wegaufnehmern erstellt und dokumentieren das Kraft-Verformungsverhalten jedes Ankers. Bei dauerhaften Ankern richten wir ein Monitoring mittels Kraftmessdosen ein, um Spannkraftverluste über die Nutzungsdauer zu detektieren.
Häufige Fragen
Welcher Unterschied besteht zwischen aktiven und passiven Ankern in der Bemessung?
Aktive Anker werden nach dem Einbau vorgespannt, sodass sie sofort eine definierte Kraft auf das Bauwerk ausüben und Verformungen minimieren. Ihre Bemessung erfordert den Nachweis der inneren und äußeren Tragfähigkeit gegen Herausziehen sowie die Prüfung der Verpresskörpergeometrie. Passive Anker oder Bodennägel erhalten ihre Spannung erst durch die Verformung des Bodens selbst und wirken als Bewehrungselemente im Untergrund. Ihre Bemessung stützt sich auf die Interaktion zwischen Mörtelkörper und Boden sowie den Nachweis der Gleitflächendurchdringung nach dem KEM-Konzept gemäß DIN EN 1997-1:2014.
Welche Kosten entstehen für die Ankerbemessung in Erfurt?
Die Kosten für eine Ankerbemessung in Erfurt liegen je nach Umfang zwischen €990 für eine überschlägige Vordimensionierung einzelner Ankerlagen und €3.900 für eine vollständige Standsicherheitsberechnung mit FE-Modellierung, Eignungsprüfungen und der Erstellung des Prüfprotokolls nach DIN EN 1537:2013. Der Preis hängt von der Anzahl der zu bemessenden Anker, der Komplexität des Baugrunds und dem erforderlichen Untersuchungsumfang ab.
Welche Normen sind für die Ankerbemessung in Deutschland maßgebend?
Die Ankerbemessung erfolgt nach dem Eurocode 7 (DIN EN 1997-1:2014) in Verbindung mit dem nationalen Anhang DIN EN 1997-1/NA. Für die Ausführung und Prüfung von Verpressankern ist die DIN EN 1537:2013 maßgebend, ergänzt durch die DIN SPEC 18537 für Nachweise im Lockergestein. Die Prüfung der Ankerkräfte erfolgt nach DIN EN ISO 22477-5:2018, wobei Eignungs- und Abnahmeprüfungen an jedem Ankertyp durchzuführen sind.
Warum ist die Mantelreibung des Verpresskörpers in Erfurter Böden kritisch?
Die aufnehmbare Mantelreibung in den Erfurter Böden variiert stark aufgrund des geologischen Wechsels zwischen Löss, Auelehm und klüftigem Muschelkalk. In den bindigen Deckschichten kann die Mantelreibung auf Werte unter 50 kN/m² abfallen, während sie im Kalkstein je nach Kluftigkeit und Verpresserfolg Werte über 300 kN/m² erreichen kann. Wir ermitteln die charakteristische Mantelreibung über Zugversuche an mindestens drei Ankern pro Bodenschicht, um eine sichere Bemessungsgrundlage zu schaffen und Nachinjektionen zu dimensionieren.
Wie wird die Dauerhaftigkeit von Ankern im Gipskeuper geprüft?
In Erfurt kann der Untere Keuper mit seinen Gips- und Anhydritlinsen korrosive Bedingungen schaffen, die die Dauerhaftigkeit von Ankern beeinträchtigen. Wir prüfen das Baugrundwasser auf Sulfatgehalt und pH-Wert und legen gemäß DIN EN 1537:2013 die erforderliche Korrosionsschutzstufe fest. Bei sulfataggressiven Wässern kommen doppelt korrosionsgeschützte Litzenanker mit werksseitig aufgebrachter PE-Ummantelung und nachträglich verpresstem Schutzrohr zum Einsatz, deren Schutzwirkung durch elektrische Durchgangsprüfungen verifiziert wird.